Drehst du öfter Kreise um teure Bio-Lebensmittel wie z.B. Bio Brokkoli, Bio Avocados und Bio Blattspinat?
Fragst du dich, ob es wirklich so einen großen Unterschied macht, Lebensmittel in Bio-Qualität zu kaufen?

In diesem Artikel bekommst du die wichtigsten Infos, die du brauchst, um dich so „Bio“ und schadstoffarm wie möglich zu ernähren.

 

Bio-Lebensmittel und ihre Bio-Siegel

 

Zuerst einmal ist es wichtig zu wissen, welche unterschiedlichen Bio-Siegel es gibt.
Grundsätzlich kannst du unterscheiden zwischen dem EU-Bio-Siegel (EG-Öko-Verordnung) und den Bio-Anbauverbänden Bioland, Naturland und Demeter.
Die strengsten Richtlinien was Tierhaltung und Umwelt angeht haben die Bio-Anbauverbände.

Damit du die für dich richtigen Entscheidungen treffen kannst, liste ich dir hier die wichtigsten Faktoren in Bezug auf Umwelt, Tierhaltung und Gesundheit auf.

 

Unterschiede in der Tierhaltung

 

Bei der Tierhaltung gibt es folgende Unterschiede: 

Nach der EG-Öko Verordnung (EU-Bio-Siegel) darf ein Betrieb 230 Legehennen, 580 Masthähnchen oder 14 Mastschweine pro Hektar halten.
Bei den Bio-Anbauverbänden sind es „nur“ 140 Legehennen, 280 Masthähnchen oder 10 Mastschweine pro Hektar.

Außerdem ist der Kuhtrainer bei allen Bio-Anbauverbänden verboten.
Bei der EG-Öko-Verordnung gibt es dazu keine Regelung und somit auch keine Verbote.

Der Kuhtrainer ist eine elektrische Erziehungshilfe für Kühe, bei der die Kuh einen Stromschlag bekommt, wenn sie sich krümmt, um sich zu lösen. So wird sie quasi gezwungen, einen Schritt zurück zu machen, um Harn und Kot in die dafür vorgesehene Sammelrinne abzulassen…

 

Potenzielle Schadstoffe in Bio-Lebensmitteln

 

Als Detox Coach finde ich es besonders wichtig, auf Schadstoffe in Bio-Lebensmitteln hinzuweisen. 
Jetzt könnte man denken, dass das Wort „Bio“ Schadstoffe generell ausschließt. Leider ist dem nicht so.
Auch hier gibt es bei den Bio-Anbauverbänden wesentlich strengere Richtlinien als beim EU-Bio-Siegel.

Es fängt schon bei der Bewirtschaftungsform an: Die Betriebe der Bio-Anbauverbände verpflichten sich, ihre Höfe komplett auf biologische Landwirtschaft umzustellen.

Betriebe die nach der EG-Öko-Verordnung zertifiziert sind, können auch nur Teile ihres Anbaus umstellen. Sie können also sowohl konventionell als auch biologisch anbauen. Dadurch ist die Gefahr der Übertragung von Pestiziden, synthetischen Düngern oder sogar gentechnisch verändertem Material auf Bio-Ware nicht weit hergeholt.

Erschwerend hinzu kommt, dass Betriebe der Bio-Anbauverbände nur an Standorten bewirtschaftet werden dürfen, an denen eine mögliche Schadstoffbelastung aus der Umwelt und einer vorherigen Nutzung berücksichtigt wird. 

Ein Bio-Betrieb, der sich nach der EG-Öko-Verordnung zertifizieren lässt, kann theoretisch auch direkt neben einer Autobahn oder auf einem stark Chemikalien-belasteten Ackerland anbauen.

 

Unterschiede beim Tierfutter

 

Bei den Bio-Anbauverbänden muss das Tierfutter zu 100 % aus biologischer Landwirtschaft stammen. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die nur greifen, sollte eine Unterversorgung der Tiere drohen.
Fischmehl und auch die ganzjährige ausschließliche Fütterung mit Silage ist verboten.

Nach der EG-Öko-Verordnung können Tiere jedoch bis zu 15 % (Rinder, Schafe und Ziegen nur zu 5 %) mit konventionellem Futter ernährt werden. Gerade konventionelles Soja ist hier sehr bedenklich, da es zusätzlich zur Pestizidbelastung auch gentechnisch verändert sein kann. Auch Trester aus Zitrusfrüchten wird oft gefüttert und Zitrusschalen aus konventionellem Anbau sind generell sehr stark Chemikalien-belastet. 
Fischmehl ist nach der EG-Öko-Verordnung zur Tierfütterung generell erlaubt.
 Was die Silagenfütterung angeht, gibt es bei der EG-Öko-Verordnung keine Regelung und somit auch keine Verbote.

Apropos Gentechnik und Lebensmittel: Bisher sind gentechnisch veränderte Lebensmittel für Menschen in Deutschland noch verboten. Tiere in konventionellen Höfen und eben teilweise auch in Höfen, die nach der EG-Öko-Verordnung arbeiten, können allerdings sehr wohl damit gefüttert werden. Das ist übrigens auch einer der Hauptgründe, warum ich seit einigen Jahren auf jegliche tierische Produkte verzichte.

 

Bio-Lebensmittel sind nicht immer notwendig

 

Wie du vielleicht schon aus meinem Guide „Die 10 wichtigsten Schritte für ein schadstoffarmes Leben“ weißt, gibt es jedes Jahr von der Environmental Working Group (EWG) die Untersuchungsergebnisse der Obst- und Gemüsesorten die am meisten bzw. am wenigsten schadstoffbelastet sind: die „Dirty Dozen“ und „Clean 15“.
Die Ergebnisse sind nicht zu 100 % auf den deutschen Markt übertragbar. Sie geben jedoch vor allem bei Obst- und Gemüsesorten, die wir eh aus dem Ausland bekommen, eine gute Orientierung.

 

Dirty Dozen nur in Bio-Qualität

 


Die Dirty Dozen solltest du also in jedem Fall in Bio Qualität kaufen. Ob es nun Bio nach der EG-Öko-Verordnung oder „Premium Bio“ von einem der Anbauverbände ist, empfehle ich dir davon abhängig zu machen, was du bekommst.
Ich mache es immer so: wenn es die Dirty Dozen gerade nicht als Bio-Lebensmittel gibt, dann kaufe ich sie nicht. Vor allem bei Erdbeeren im Sommer mache ich da keine Ausnahme.
Es sei denn, ich kenne den Bauern und weiß, dass die Erdbeeren ungespritzt sind. 

Es gibt natürlich auch zahlreiche kleine Höfe, die sich eine Bio-Zertifizierung einfach nicht leisten können, jedoch trotzdem ohne Chemikalien auskommen. Gerade bei diesen Bauern lohnt es sich, einfach mal nachzufragen und sie zu unterstützen, wenn sie natürlich anbauen.

Die Clean 15 kannst du guten Gewissens aus konventionellem Anbau kaufen.
Auch die Faktoren Preis und regionaler Anbau sind natürlich wichtige Kriterien.
Wenn z.B. Bio-Zwiebeln (Clean 15) aus regionalem Anbau stammen und nur ein paar Cent teurer sind als Zwiebeln aus herkömmlichen Anbau, kaufe ich sie in Bio-Qualität.

 

Dirty Dozen (2021)

Diese Gemüse- und Obstsorten solltest du aus Bio-Anbau (idealerweise von einem der Anbauverbände) kaufen:

1. Erdbeeren
2. Spinat
3. Grünkohl
4. Nektarinen
5. Äpfel
6. Weintrauben
7. Kirschen
8. Pfirsiche
9. Birnen
10. Paprika und Chili
11. Sellerie
12. Tomaten

 

Clean 15 (2021)

Diese Gemüse- und Obstsorten kannst du ruhig aus konventionellem Anbau kaufen:

1. Avocado
2. Mais
3. Ananas
4. Zwiebeln
5. Papaya
6. Erbsen (gefroren)
7. Aubergine
8. Spargel
9. Brokkoli
10. Weißkohl
11. Kiwi
12. Blumenkohl
13. Pilze
14. Honigmelone
15. Cantaloupe-Melone

Diese Liste der „Dirty Dozen und Clean 15“ kannst du dir entweder direkt auf deinem Smartphone speichern oder einen Screenshot davon machen. So hast du sie immer griffbereit, wenn du sie brauchst.
Ich empfehle dir, das Smartphone dabei lediglich als digitale Einkaufsliste zu nutzen – idealerweise offline im Flugmodus;-) Warum, kannst du hier nachlesen.

 

Bio-Lebensmittel - Julie Christin Boenig

Abwaschen befreit leider nicht zu 100 % von Chemikalien

Wenn du Obst oder Gemüse aus herkömmlichem Anbau kaufst, bedenke immer, dass mit dem Abwaschen nicht alle Chemikalien entfernt werden können. Viele der Pestizide dringen bis in das Innere der Pflanze vor. Trotzdem ist Abwaschen bei Gemüse und Obst aus nicht Bio-Anbau ein Muss, um wenigstens einem Teil der Toxine zu entgehen.

Bio-Lebensmittel, wie z.B. Blaubeeren, die meistens recht teuer sind, kaufe ich übrigens häufig tiefgekühlt. Das hat auch den Vorteil, dass ich nicht extra einkaufen fahren muss, falls ich spontan mal Lust auf einen Smoothie hab. 🙂

Stay Detoxed!

Deine

Julie Christin Boenig